Presseinformation
Andreas Hagenbach - Million Dollar Ocean Views Up Here

6. Mai – 2. Juli 2006
Eröffnung: Freitag, 5. Mai 2006, 19 H
Presseführung, Donnerstag, 4. Mai 2006, 11 H

Der Basler Künstler Andreas Hagenbach (*1964, lebt und arbeitet in Basel) zeigt in der Kunsthaus Baselland Galerie die Fotoserien „Million Dollar Ocean Views Up Here“ und „Paradise Just Gets Better“ in Form einer Diaprojektion und eines Videos, welche allesamt anlässlich seiner Aufenthalte in Westaustralien in einem Zeitraum von über zwei Jahren entstanden sind.

Der Künstler beleuchtet in seiner fotografischen und filmischen Arbeit ein zeitgemässes, von marktwirtschaftlichen Kräften geprägtes Australien, welches mit der Vorstellung vom paradiesischen Land der Auswanderung und Zuflucht nicht mehr viel zu tun hat. Hagenbachs Fokus konzentriert sich auf die Vororte der Stadt Perth, die seit einigen Jahren für Grundstücksspekulanten von besonderem Interesse sind, gilt es doch Lebensräume für Neuzuwanderer zu schaffen und möglichst viele Wohnobjekte für Investoren aus Übersee anzubieten. Wie das Video Hagenbachs zeigt, werden dafür grosse Landstriche und ihre Vegetation bis zum letzten Grashalm gerodet und für den Bau riesiger Wohnterrassen eingeebnet. Monströse Baugeräte tragen Erdschicht um Erdschicht ab; die Zerstörungs-maschinerie wirkt wie in einem Science-fiction Film, die keinen Grashalm zurücklässt. Abgesehen von der schonungslosen Vernichtung jedweder einheimischer Vegetation, bringt der Bauboom – wie die Fotografien Hagenbachs aufzeigen - auch die zunehmende Stereotypisierung der neuen Wohnhäuser ans Tageslicht. Ein Grundriss gleicht dabei dem anderen, die Parzellengrössen scheinen so einheitlich als möglich, die gewählte Ausstattung gilt als Vorbild für alle weiteren benachbarten Villen. All dies lässt sich jedoch nur noch erblicken, so lange die Häuser nicht von Zäunen eingegrenzt werden. Erinnerungen an so genannte „Gated Communities“ werden wachgerufen, jenen nach aussen hin abgesicherten Wohnanlagen für Leute höherer Einkommensschichten. Der Typus der neuen Küstenwohnungen operiert mit visuellen Codes für Reichtum ohne nach Herkunft von Symbolen und deren Entstehung zu fragen. So findet man architektonische Elemente vor, deren ursprüngliche Funktion nicht mehr gegeben ist. Die omnipräsenten Löwenskulpturen beispielsweise, die Eingänge flankieren, entbehren im Gegensatz zu ihren genuinen archaischen Vorbildern völlig der Abschreckung und Respekt einflössenden Wirkung; sie sind austauschbare leere Hüllen, welche als Formenvokabular für „reiches“ Wohnen per se gelesen werden. Die Ästhetik der Bilder Hagenbachs streicht die Entindividualisierung und Vermassung des Eigenheimtraums an der Küste Westaustraliens heraus. Seine meist frontalen fotografischen Ausschnitte treffen auf Fassaden, Zäune und Flächen, die das Dahinter ausblenden. Die Gleichförmigkeit der Wohnobjekte, ihre stereotype Architektur wird durch die Wahl der fotografischen Ausschnitte betont.

Ein Verkaufsslogan eines Wohnungsmaklers, welcher den neuen Wohntraum bewirbt, bringt die Stimmungslage unfreiwillig auf den Punkt: „The search for the ultimate coastal lifestyle ends here“. Hagenbach spürt in seinen Fotografien den Paradoxien vom reichen und entindividualisierten Wohnen, vom Lebensglück und der Zerstörung jener für das Lebensglück notwendigen Natur nach. Er zeigt uns ein für den Touristenblick untypisches Australien, welches sich der globale Entwicklung widerstandslos anpasst und im Begriff ist, seine Einzigartigkeit preiszugeben. „Der neutral dokumentierende, oft frontal gewählte Bildausschnitt lässt den schweifenden Blick quasi an den Fassaden mit ihren blinden Fenstern abprallen und unterstreicht den Standpunkt des Aussenstehenden – oder, vice versa, den des Gefangenen.“ (Eva Scharrer).

Mittwoch, 24. Mai 2006, 18.30 H
Werkgespräch zwischen Andreas Hagenbach und Barbara Kunz, Kunsthistorikerin